Suffnas un Sensemann

„Suffnas un Sensemann“

  Ein Volksschauspiel in Pfälzer Mundart nach dem Stück:

„Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ von Kurt Wilhelm.

Ins Pfälzische übertragen von Eckhard Richter

Der Sensemann hat einen neuen Auftrag: Er soll den Büchsenmacher Schorsch aus Landstuhl im 72. Lebensjahr abholen und in das Paradies begleiten. So versucht der Tod, bei einer Treibjagd, einen Schuss umzulenken, welcher den Schorsch allerdings verfehlt. Um seinen Auftrag zu Ende zu führen, besucht der Sensemann den Landstuhler in seinem Wohnzimmer. Doch der Büchsenmacher fühlt sich gesund und will auf keinen Fall mitgehen. Sein letzter Ausweg: er überlistet den Sensemann, indem er ihn mit einem kräftigen Obstler zum Trinken verleitet, um ihn dann noch beim Kartenspiel zu betrügen. So erschwindelt sich Schorsch weitere 18 Lebensjahre und somit Zeit bis zu seinem 90. Geburtstag. Jetzt beginnt, für den sonst von Schicksal und Trauer gekennzeichneten  Schorsch, ein neues Leben.

Als aber seine geliebte Enkelin Marie am Tage seines 75. Geburtstages tödlich verunglückt, verliert Schorsch seine neu gewonnene Lebensfreude. Die Eifersucht war es, die letztendlich zu Maries Tod führte. Die Unschuldigste von allen musste gehen, weil zwei junge Burschen um ihre Liebe kämpften. Später wird dem Büchsenmacher allerdings klar, dass auch er nicht unschuldig am Tod seiner Enkelin war. Durch die Aufnahme der Marie ins Paradies fliegt die List von Schorsch nämlich auf. Marie ist 18 Jahre zu früh dran – genau die Jahre, die sich der Büchsenmacher durch das Kartenspiel erschwindelt hat. Dieser Vorfall wirft die ganze heilige Familie aus der Bahn und im sonst so fröhlichen Himmel bricht das Chaos aus. So wird der Sensemann vom Heiligen Petrus abermals auf die Erde geschickt, um den Landstuhler Schorsch heimzuholen.

Der Tod, an seine Spielschuld gebunden, muss nun selbst zu einer List greifen, um seinen Auftrag zu erfüllen. Er lockt den lebensmüden Schorsch für eine Stunde zur himmlischen Pforte – um ihm einen Blick in das Paradies zu gewähren, sodass er seine geliebte Marie wieder sehen kann. Schorsch ist von der himmlischen Glückseligkeit so überwältigt, dass er beschließt dort zu bleiben. Doch zuerst muss das himmlische Gericht über seine irdischen Sünden urteilen und entscheiden, ob er überhaupt bleiben darf…

Den Tod überlisten und selbst bestimmen, wann das irdische Leben zu Ende geht und sich dem „Zahn der Zeit“ widersetzen – ein Traum, der so alt wie die Menschheit selbst und Grundlage vieler Erzählungen und Sagen ist. Deshalb hat wohl auch Kurt Wilhelm die Kurzgeschichte seines Urgroßonkels Franz von Kobell dramatisiert. Selten wurde dieses Thema so menschlich und komödiantisch aufgegriffen und der Tod mit solch einer listigen List ausgetrickst wie in diesem bayrischen Volksstück, das auch über den Freistaat hinaus längst bekannt ist und Kultstatus erreicht hat.

Rajko Schäfer